Mein Wunsch wäre …

Ich war in einer Grundschule in Bislich, bis der Lehrer sagte, ich würde die 2. Klasse nicht schaffen. Dann musste ich in eine andere Schule in Wesel. Das ist eine Schule für lernschwache Schüler gewesen. In dieser Schule lernen die Schüler langsamer, als die auf den Hauptschulen. Und heute hat man es schwer, was zu lernen. Egal ob für einen Beruf oder für Bewerbungen schreiben- besonders schlimm ist es, wenn man nicht weiß, wie man so was formulieren soll, um sich verkaufen zu können.

Es ist schwer, in der Gesellschaft zu zugeben, dass man nichts versteht und nicht lesen und schreiben kann.

Es gibt Arbeitsämter, die interessiert es nicht, wenn man nicht lesen und schreiben kann. Obwohl ich das Problem mehrmals angesprochen habe, wurde nicht darauf eingegangen. Da hieß es nur „Suchen Sie sich eine Schule, die wir nicht bezahlen müssen.“ Da fühle ich mich total verarscht.

Vor ein paar Jahren bin ich auf ein anderes Arbeitsamt gegangen, denen habe ich noch mal das Problem geschildert, dass ich das was ich lese, nicht verstehen kann und meinen Schulabschluss nachmachen würde. Da schickte mich meine Sachbearbeiterin zu Lesen und Schreiben e.V.- erstmal für ein Jahr.

Nun bin ich schon seit zwei Jahren und drei Monaten hier bei Lesen und Schreiben. Wer weiß, vielleicht kann ich irgendwann meinen Schulabschluss nachmachen.

Aber man lernt nie aus.

Hier im U-Bahnhof Karl-Marx-Straße hatte Lesen und Schreiben eine Vitrine aufgestellt. Dort war eine Telefonnummer zu sehen, die man anrufen kann, wenn man nicht lesen und schreiben kann oder jemanden kennt, der das nicht kann. Aber was nützt eine Telefonnummer, wenn man sich nicht traut, anzurufen. Dann muss man sich weiter durchs Leben mogeln.

An der Vitrine bleiben auch ein paar Leute stehen, und schauen sich alles an. Da drin ist zu sehen, wie man einen Kuchen bäckt. Viele Fragezeichen- nun ja so sieht es einer, der nicht lesen und schreiben kann. Sagt man das den Leuten auf dem Bahnhof, so wie ich es getan habe, werde ich mit großen Augen angeschaut. Als Antwort bekommt man Sätze wie „Ach lassen Sie mich damit in Ruhe!“

Überall wo man hinkommt ist man nur eine Nummer, das stört mich. Es kommt mir so vor, als kommt es gar nicht auf den Einzelnen an.

Autor: AG Teilhabe

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