2012 – ein Jahr Alpha-Bündnis Neukölln

„Niemand darf sagen: Uns gibt es nicht. Das will ich nie wieder hören“. Diesen Satz formulierte eindringlich eine Frau, die im Erwachsenenalter Lesen und Schreiben gelernt hat, auf der Abschlusssitzung des Alpha-Bündnisses Neukölln.

Ca. 28.000 so genannte funktionale An-Alphabeten gibt es allein in Neukölln – deutsch sprechende und erwerbsfähige Menschen, die zwar einzelne Wörter und Sätze lesen und schreiben können, aber keine kürzeren zusammenhängenden Texte. Deutschlandweit sind es 7,5 Millionen und damit 14,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mehr als die Hälfte von ihnen spricht deutsch als Erstsprache. Es gibt sie eben doch und in großer Zahl – und trotzdem ist das in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt.

Um die Situation von funktionalen An-Alphabeten zu verbessern und die Öffentlichkeit zu informieren, dafür setzt sich das Alpha-Bündnis Neukölln ein. Das Alpha-Bündnis ist ein Netzwerk mit derzeit über 30 Bündnispartner/innen aus den unterschiedlichsten Organisationen. Funktionaler An-Alphabetismus ist, wie es Frau Döbert so passend formuliert hat, „keine Insel im Meer“, d.h. keine reine Bildungsangelegenheit. Oft begleiten die Betroffenen auch finanzielle, gesundheitliche und persönliche Probleme. Ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist häufig stark eingeschränkt. Die Bündnispartner/innen kommen daher auch aus den Bereichen Politik, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Soziales. Sie treffen sich regelmäßig zu Plenumstreffen (4 in 2012), auf denen zum Thema informiert wird und auf denen es Zeit zum Austausch untereinander gibt. Diese zwei Punkte sind ganz entscheidend: Für eine effektive Unterstützung Betroffener benötigt man (1.) geschulte Mitarbeiter/innen, die eventuelle Schwierigkeiten erkennen und wissen, wie sie angemessen angesprochen werden. Und (2.) einen engen persönlichen Kontakt zwischen den Organisationen untereinander, so dass passgenau weitervermittelt werden kann.

In Arbeitsgruppentreffen werden dann bestimmte Aspekte herausgegriffen und tiefgehender behandelt. In den Arbeitsgruppen Arbeit, Gesundheit, Netzwerkarbeit und Teilhabe sind verschiedene Ergebnisse entstanden: Eine Sammlung von Angeboten von Neuköllner Organisationen für die Zielgruppe, eine Argumentationshilfe für Unternehmen, Texte von Betroffenen für die Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr. Selbstverständlich sind auch Lerner beteiligt. Sie sind die Experten für die eigene Sache und eng in die Bündnisarbeit einbezogen.  In der AG Teilhabe erarbeiteten sie den Punkt „Wünsche der Lernenden“ oder entwickelten Texte zur Sensibilisierung.

Das Alpha-Bündnis Neukölln hat 2012 seinen Teil dazu beigetragen, dass mehr Neuköllner zum Thema informiert sind und nicht mehr sagen würden: „Euch gibt es nicht.“

 

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