„Was wir [in der AG Teilhabe] machen und warum“

Ich bin Kay und bin seit August 2012 bei Lesen und Schreiben und auch in der AG Teilhabe. Ich möchte Ihnen heute kurz erzählen, was wir dort machen und warum.

Wir treffen uns regelmäßig  im Café von Lesen und Schreiben. In diesem Jahr haben wir besonders oft darüber gesprochen, wer in Neukölln mehr über funktionale An-Al-pha-be-ten wissen sollte. Zum Beispiel Ärzte, Ämter, Schuldnerberatungen und Schulen.

Wir sprechen auch oft darüber, welche Erfahrungen wir in der Öffentlichkeit gemacht haben. Oft sind das schlimme Erfahrungen, wir fühlen uns häufig nicht ernst genommen, bekommen keine Hilfe oder werden behandelt, als wären wir doof. Nur einige von uns trauen sich und können mit ihrem Problem offen umgehen. Das liegt bestimmt daran, dass sich die meisten Leute nicht vorstellen können, warum es in Deutschland Menschen gibt, die nur schlecht oder gar nicht lesen und schreiben können.

In unseren Gesprächen haben wir auch gemerkt, dass zum Beispiel ein Lerner von uns, der aus Ghana kommt, viel netter behandelt wird als wir, wenn er sagt, er kann was nicht gut lesen oder schreiben. Er konnte zuerst auch gar nicht verstehen, warum wir Probleme haben, wenn wir beim Arzt oder beim Jobcenter sind. Vielleicht ist das so, weil die Leute sich bei ihm besser vorstellen können, warum er Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat. Er spricht gebrochen Deutsch und hat eine dunkle Hautfarbe. Wir hören aber oft „Sie sind doch Deutscher, warum können Sie nicht lesen und schreiben?“

Eigentlich ist es egal, warum wir es nicht können. Da gibt es viele verschiedene Gründe. Wichtig ist für uns, dass wir es jetzt lernen dürfen, auch als Erwachsene.

Peter hat gesagt, es gibt doch das Grundgesetz. Da steht drin, jeder hat das Recht auf Bildung. Und wir wollen in der AG Teilhabe mithelfen, dass jeder noch mal lernen kann, der lesen und schreiben lernen will. Wir wollen mit Respekt behandelt werden und keine Angst mehr haben müssen, dass jemand von unserem Problem erfährt. Deswegen finden wir es gut, dass es das Alphabündnis gibt und arbeiten in der AG Teilhabe mit.

Autor: AG Teilhabe

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